Rathaus, Rot am See

Im Jahr 2018 gewann das Architekturbüro Beck die Mehrfachbeauftragung zur Modernisierung und Erweiterung des Rathaus-Ensembles in Rot am See. Nach dem Baubeginn Mitte 2020 wurde das Projekt Anfang 2023 erfolgreich fertiggestellt.

Im Zuge der umfangreichen Baumaßnahmen wurde das bestehende Rathaus modernisiert, funktional neu organisiert und architektonisch aufgewertet. Im Mittelpunkt standen die vollständige Barrierefreiheit, eine zeitgemäße Gestaltung der Verwaltungsbereiche sowie die energetische Sanierung des Gebäudes.

Städtebauliches Konzept und Außenanlagen

Ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfs war die städtebauliche Neuordnung des Rathaus-Ensembles. Durch den Abbruch des ehemaligen Postgebäudes wurde das Rathaus stärker freigestellt und seine Bedeutung als zentrales öffentliches Gebäude der Gemeinde hervorgehoben.

Die neu gewonnenen Flächen ermöglichen eine Erweiterung des Rathausplatzes sowie eine verbesserte Gestaltung der Außenanlagen mit zusätzlichen Grünflächen und Stellplätzen. Die bestehende Freiraumgestaltung wurde dabei aufgegriffen und fortgeführt, sodass ein zusammenhängendes und gestalterisch aufgewertetes Rathausumfeld entstand.

Architektonische Gestaltung und Fassade

Eine besondere Herausforderung stellte der Umgang mit der bestehenden Architektur aus den 1970er-Jahren dar, deren Erscheinungsbild bereits in den 1990er-Jahren verändert worden war. Ziel der Modernisierung war es, die unterschiedlichen Baukörper gestalterisch zu einer harmonischen Einheit zusammenzuführen und gleichzeitig den eigenständigen Charakter des Rathauses zu bewahren.

Die bestehende abgeschrägte Konstruktion des Obergeschosses wurde durch eine geradlinige Holzrahmenkonstruktion mit begrüntem Flachdach ersetzt. Eine filigrane Fassadenverkleidung aus unterschiedlich ausgebildeten Lamellen betont die oberen Baukörper und setzt einen bewussten Kontrast zu den verputzten Fassadenflächen und den großzügigen Verglasungen des Erdgeschosses.

Durch diese Neugestaltung erhielt das Rathaus ein zeitgemäßes, repräsentatives Erscheinungsbild, das seine öffentliche Funktion auch nach außen deutlich vermittelt.

Barrierefreiheit und Erschließung

Ein zentraler Schwerpunkt der Modernisierung war die Herstellung der vollständigen Barrierefreiheit. Aufgrund der unterschiedlichen Geschoss- und Zwischenebenen stellte dies eine besondere planerische Herausforderung dar.

Der bestehende Treppenkern wurde zu einem notwendigen Treppenhaus umgebaut und die Aufzugsanlage an einem neuen Standort angeordnet. Dadurch sind sämtliche Geschosse und Zwischenebenen vom Untergeschoss bis zum Obergeschoss barrierefrei erreichbar.

Neben der verbesserten Zugänglichkeit für Bürgerinnen und Bürger wurden auch die internen Arbeitsabläufe und Transportwege innerhalb der Verwaltung wesentlich vereinfacht.

Neuorganisation der Funktionsbereiche

Im Zuge der Modernisierung wurden die Verwaltungsbereiche umfassend neu strukturiert und an die heutigen Anforderungen eines modernen Rathauses angepasst.

Der Haupteingang erhielt eine neue Glasfassade mit Windfang und automatischen Zugangstüren. Im Rathausfoyer blieb die charakteristische Treppenanlage mit Brunnen erhalten. Durch den Rückbau nachträglicher Einbauten und abgehängter Decken wurde die ursprüngliche räumliche Wirkung wieder stärker hervorgehoben. Auch die vorhandenen Kunstwerke wurden in die neugestalteten Bereiche integriert.

Die Gemeindebücherei wurde durch eine neue Raumstruktur um rund 53 % vergrößert.

Eine wesentliche bauliche Erweiterung erfolgte an der Westseite des Rathauses. Anstelle des ehemaligen Polizeipostens entstand ein neuer, großzügig belichteter Sitzungssaal. Durch seine unmittelbare Anbindung an das Bürgerhaus können dessen Foyer und Sanitäreinrichtungen gemeinsam genutzt werden. Darüber hinaus lässt sich der Sitzungssaal mit den angrenzenden Veranstaltungsräumen verbinden, wodurch flexible Nutzungsmöglichkeiten für größere Veranstaltungen geschaffen wurden.

Am bisherigen Standort des Sitzungssaals entstanden ein vergrößertes Trauzimmer sowie ein neues Bürgerbüro mit zugehörigem Wartebereich. Die transparente Gestaltung verbessert die Orientierung und schafft eine offene, bürgerfreundliche Atmosphäre.

Auch die Büroräume im Obergeschoss wurden durch die Neugestaltung der Gebäudehülle vergrößert und funktional optimiert. Ergänzende Besprechungs-, Aufenthalts- und Nebenräume verbessern die Arbeitsbedingungen innerhalb der Verwaltung.

Brandschutz und energetische Modernisierung

Neben den gestalterischen und funktionalen Maßnahmen wurde das Rathaus auch brandschutztechnisch umfassend ertüchtigt. Durch die Neuordnung der Brandabschnitte, den Umbau des notwendigen Treppenhauses sowie die Anpassung der Rettungswege wurde das Gebäude an die geltenden Anforderungen angepasst.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der energetischen Modernisierung der Gebäudehülle. Im Obergeschoss wurde die bestehende Dach- und Fassadenkonstruktion durch eine neue, gedämmte Holzrahmenkonstruktion ersetzt. Durch die geradlinige Gebäudegeometrie konnten Wärmeverluste reduziert und gleichzeitig zusätzliche Nutzflächen geschaffen werden.

Die baulichen Maßnahmen umfassten darüber hinaus die Erneuerung von Fassadenbereichen, die Verbesserung der Wärmedämmung und die Entfernung schadstoffbelasteter Bestandsmaterialien.

Ein zukunftsfähiges Rathaus

Mit der Anfang 2023 abgeschlossenen Modernisierung wurde das Rathaus Rot am See sowohl architektonisch als auch funktional grundlegend aufgewertet. Die Verbindung von Bestand und Erweiterung, eine verbesserte städtebauliche Einbindung sowie die vollständige barrierefreie Erschließung schaffen ein zeitgemäßes Verwaltungsgebäude.

Das modernisierte Rathaus bietet damit langfristig gute Voraussetzungen für eine bürgernahe Verwaltung und bildet zugleich einen gestalterisch aufgewerteten Mittelpunkt des Gemeindelebens.


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